Tinnitus-Forschung aktuell: Brummton-Phänomen, Geschlechterunterschiede und Neuromodulation

Diese Woche geht es um zwei Fragen, die viele Betroffene kennen: Woher kommt mein Tinnitus eigentlich — und warum erleben ihn andere Menschen anders als ich? Eine Studie untersucht das rätselhafte Tieftonphänomen, bei dem manche ein Brummen hören, das andere nicht wahrnehmen. Eine weitere Studie blickt auf klinische Unterschiede zwischen Männern und Frauen mit Tinnitus. Dazu gibt es einen Überblick über neuromodulative Therapieansätze und eine laufende klinische Studie zur Magnetstimulation des Gehirns.

Das Brumm-Phänomen: Warum nur manche es hören

Studienkontext: Eine kontrollierte Beobachtungsstudie untersuchte 28 Personen, die berichten, ein fast ständiges Brummen oder Pulsieren im niedrigen Frequenzbereich zu hören, das andere in ihrer Umgebung nicht wahrnehmen. Die Studie verglich diese Gruppe mit Kontrollpersonen ohne solche Wahrnehmungen. Es wurden hochauflösende Hörschwellenmessungen im Tieftonbereich sowie Messungen spontaner otoakustischer Emissionen (SOAEs) durchgeführt — also Töne, die das Innenohr als normalen Nebeneffekt der Schallverstärkung selbst erzeugt. Die Teilnehmenden gaben eine Eigenfrequenz von im Median 50 Hz an.

Was die Forschenden herausgefunden haben: Die meisten Betroffenen zeigten keine ungewöhnlich empfindlichen Hörschwellen im Tieftonbereich. Die Struktur der Hörschwelle war mit der der Kontrollgruppe vergleichbar. SOAEs im Tieffrequenzbereich konnten nicht gemessen werden. Die Forschenden schlagen daher vor, dass subjektiver Tinnitus im Tieffrequenzbereich in vielen Fällen die Ursache der Wahrnehmung ist — externe Schallquellen werden aber nicht vollständig ausgeschlossen.

Offene Fragen: Die Stichprobe ist mit 28 Betroffenen klein. Es bleibt unklar, warum manche Fälle klar von der Mehrheit abweichen. Weitere Studien mit größeren Gruppen und objektivierten Diagnoseverfahren sind nötig, um die Hypothesen zu bestätigen.

Was das für dich bedeutet

Wenn du ein Tiefton-Brummen hörst, das andere nicht wahrnehmen, kann es sein, dass du dich fragst, ob eine externe Quelle schuld ist. Diese Studie deutet darauf hin, dass es sich in vielen Fällen um subjektiven Tinnitus handelt. Das bedeutet nicht, dass die Wahrnehmung eingebildet ist — nur dass die Ursache wahrscheinlich im Hörsystem selbst liegt. Eine HNO-ärztliche Abklärung bleibt sinnvoll.

Quelle

  1. Baumann Bonifaz, Voss Andrej, Jurado Carlos, Drexl Markus On the potential sources of a low-frequency sound percept that only a few can perceive. PLOS ONE

Tinnitus bei Männern und Frauen: klinische Unterschiede

Studienkontext: Eine retrospektive Beobachtungsstudie wertete die Krankenakten von 745 aufeinanderfolgenden Tinnitus-Patientinnen und -Patienten einer koreanischen Klinik aus dem Zeitraum 2019 bis 2025 aus. Untersucht wurden klinische und audiologische Unterschiede zwischen Männern und Frauen, darunter Hörschwellen, Distorsionsprodukt-otoakustische Emissionen (DPOAEs) und Tinnitus-spezifische Merkmale.

Was die Forschenden herausgefunden haben: Frauen zeigten höhere DPOAE-Werte bei 3, 4 und 6 kHz, was auf eine bessere Innenohrfunktion in diesen Frequenzbereichen hindeutet. Männer und Frauen unterschieden sich in mehreren klinischen und audiologischen Merkmalen. Detaillierte Effektgrößen sind im verfügbaren Abstract nicht vollständig angegeben.

Offene Fragen: Als retrospektive Einzelzentrum-Studie aus Südkorea sind die Ergebnisse möglicherweise nicht ohne Weiteres auf andere Bevölkerungsgruppen übertragbar. Die klinische Bedeutung der gefundenen Unterschiede für die Behandlung muss in prospektiven Studien geprüft werden. Es bleibt offen, ob geschlechtsspezifische Therapieansätze tatsächlich zu besseren Ergebnissen führen.

Was das für dich bedeutet

Diese Studie legt nahe, dass Tinnitus bei Männern und Frauen unterschiedliche audiologische Grundlagen haben kann. Für dich als Betroffene oder Betroffener ändert sich dadurch im Alltag noch nichts — die Forschung steht hier erst am Anfang. Mittelfristig könnten solche Erkenntnisse aber dabei helfen, Behandlungen gezielter einzusetzen.

Quelle

  1. Kim Soo Yeon, Oh Yeon Ju, Kim Hye Ok, Kim Sung Soo, Lee Jae Min, Yeo Seung Geun Clinical and audiological comparison of tinnitus in men and women. Acta Oto-Laryngologica

Magnetstimulation bei Tinnitus: Studie rekrutiert Teilnehmende

Studienkontext: Bei dieser Einheit handelt es sich um eine registrierte klinische Studie (NCT06635967) zur Wirksamkeit der repetitiven transkraniellen Magnetstimulation (rTMS) bei chronischem subjektivem Tinnitus. Ein Abstract liegt nicht vor; die Informationen basieren auf den verfügbaren Registrierungsdaten. rTMS ist ein nicht-invasives Verfahren, das mit Magnetfeldern gezielt Hirnareale stimuliert und in den USA für die Behandlung von Depressionen zugelassen ist.

Was bisher bekannt ist: Die Studie befindet sich in der Rekrutierungsphase. Ergebnisse liegen noch nicht vor. Frühere kleinere Studien haben gemischte Hinweise auf eine mögliche Wirkung bei Tinnitus geliefert, ohne dass bislang klare Empfehlungen für den klinischen Einsatz bestehen.

Offene Fragen: Da kein Abstract verfügbar ist, sind Studiendesign, Stichprobengröße, Dauer und genaue Endpunkte aus den öffentlich zugänglichen Daten nicht vollständig ersichtlich. Es bleibt offen, für welche Tinnitus-Untergruppen rTMS am ehesten wirkt und welche Stimulationsparameter optimal sind. Die Studie soll diese Fragen adressieren.

Was das für dich bedeutet

rTMS ist in Deutschland verfügbar, wird aber für Tinnitus von den gesetzlichen Krankenkassen in der Regel nicht erstattet. Solange Ergebnisse dieser und ähnlicher Studien nicht vorliegen, lässt sich keine verlässliche Aussage dazu treffen, ob rTMS bei Tinnitus hilft. Wer an einer Teilnahme interessiert ist, kann die Studienregistrierung unter ClinicalTrials.gov einsehen.

Quelle

  1. (2024) The Efficacy of Repetitive Transcranial Magnetic Stimulation in Patients With Chronic Subjective Tinnitus ClinicalTrials.gov

Neuromodulation bei Tinnitus: Übersicht zu Mechanismen und Therapien

Studienkontext: Ein Übersichtsartikel von Zhiai Fang (2025) fasst den aktuellen Forschungsstand zu neuronalen Mechanismen des Tinnitus zusammen und beschreibt verschiedene neuromodulative Therapieansätze, darunter Closed-Loop-Akustikstimulation. Ein Abstract liegt nicht vor; die Angaben basieren auf Titel, Metadaten und den vom Triageprozess bereitgestellten Informationen.

Was der Artikel abdeckt: Auf Basis der verfügbaren Informationen behandelt die Übersicht, wie abnorme Synchronisation im auditorischen Kortex zur Entstehung von Tinnitus beiträgt und wie verschiedene Formen der Neuromodulation versuchen, diese Muster zu unterbrechen. Closed-Loop-Geräte passen Klangstimuli in Echtzeit an die Hirnaktivität an.

Offene Fragen: Da kein Abstract vorliegt, kann die methodische Qualität des Reviews nicht bewertet werden. Es ist unklar, welche Studien einbezogen wurden und wie die Evidenz gewichtet wird. Für konkrete Therapieentscheidungen reicht ein Überblicksartikel allein nicht aus — die zugrundeliegenden Originalstudien sind entscheidend.

Was das für dich bedeutet

Neuromodulative Ansätze wie Closed-Loop-Stimulation befinden sich größtenteils noch in der klinischen Erprobung. Für den Alltag bedeutet das: Diese Verfahren sind noch kein Standardangebot in der Regelversorgung. Der Artikel bietet einen Einstieg ins Thema, ersetzt aber keine Beratung durch eine HNO-Praxis oder ein Tinnitus-Zentrum.

Quelle

  1. Zhiai Fang (2025) Neural Mechanisms and Neuromodulation Therapies for Tinnitus-From Abnormal Auditory Cortex Synchronization to Closed-Loop Acoustic Stimulation Semantic Scholar

Pflanzliche Mittel gegen Tinnitus: aktueller Überblick

Studienkontext: Ein Übersichtsartikel von Liu und Kollegen (2023) fasst den Forschungsstand zu pflanzlichen und botanischen Arzneimitteln bei Tinnitus zusammen. Ein Abstract liegt nicht vor; die Angaben beruhen auf Titel, Metadaten und den Triage-Informationen. An der Übersicht waren neun Autorinnen und Autoren beteiligt.

Was der Artikel abdeckt: Auf Basis der verfügbaren Informationen gibt die Übersicht einen Überblick über pflanzliche Mittel, die in der Tinnitus-Behandlung untersucht wurden. Welche davon über schwache Hinweise hinausgehen und welche als rein spekulativ einzustufen sind, lässt sich ohne Abstract nicht abschließend beurteilen.

Offene Fragen: Ohne Zugang zum Volltext und Abstract ist unklar, nach welchen Kriterien die einbezogenen Studien ausgewählt wurden, wie die Qualität der Primärstudien bewertet wird und ob eine Metaanalyse durchgeführt wurde. Pflanzliche Mittel sind in Deutschland oft als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich und unterliegen keiner Zulassungspflicht wie Arzneimittel — die Evidenzlage ist hier generell dünn.

Was das für dich bedeutet

Viele Betroffene fragen sich, ob Ginkgo, Zink oder andere pflanzliche Mittel helfen könnten. Die S3-Leitlinie Chronischer Tinnitus empfiehlt Ginkgo biloba nicht zur Behandlung. Dieser Überblick liefert zusätzlichen Kontext, ersetzt aber keine individuelle Beratung. Wer pflanzliche Mittel ausprobieren möchte, sollte das vorher mit einem Arzt oder einer Ärztin besprechen.

Quelle

  1. Dongliang Liu, Yue Hu, Dali Wang, Hezhou Han, Y. Wang, Xilu Wang, Zhaoyu Zhou, Xiulan Ma, Yaodong Dong (2023) Herbal medicines in the treatment of tinnitus: An updated review Semantic Scholar

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